Per Boot auf den Spuren von Nessie und Harry Potter: Hausboot-Abenteuer in Schottland!

Schottland als Reiseziel mit dem Hausboot? War mir bisher zwar bekannt, aber wirklich was darunter vorstellen konnte ich mir nicht. Insgesamt stand Schottland bisher nicht unbedingt auf meiner Urlaubsliste – denn was weiß man schon wirklich über dieses Land voller Mysterien und atemberaubend, magischen Aufnahmen?

Ich wusste bis dato nicht wirklich viel über das Land der Whiskey Brennereien und die Heimat von Loch Ness – doch sollte sich das bald ändern…!

Mit dem Hausboot durch Schottland: Meine Tour

Um Schottland zu erreichen haben wir den Flieger gewählt und sind nach Inverness geflogen. Der Flughafen Inverness ist 73 km von der Basis Laggan entfernt. Alternativ, hat man noch die Möglichkeit Glasgow anzufliegen, allerdings ist der Flughafen schon gute 200km von der Basis Laggan entfernt. In Schottland gibt es nur diese eine eine Hausbootbasis, Laggan. Sie liegt relativ mittig auf dem CaledonianCanal. Das gibt Dir die Möglichkeit, beide Seiten des Kanals zu erleben.

Unsere Reise beginnt also wie alle Hausbooturlaube in Schottland in Laggan. Wir werden in Richtung Norden fahren bis zum Firth of Inverness, danach fahren wir in Richtung Süden, über Laggan hinaus, bis wir Fort William erreichen und von dort aus zurück zur Basis.

Faszination vom ersten Augenblick: Wie Schottland mein Herz eroberte

Beim Boot angekommen werden wir von einer netten Crew empfangen, die uns unser Boot übergibt und uns einweist. Auch für erfahren Bootshasen wie uns, ist eine Einweisung ins Schiff immer sehr wichtig und von großem Vorteil, da doch jedes Boot anders ist und seine Eigenheiten hat. Davon mal abgesehen, erfährt man bei den Einweisungen immer sehr viel über Region, Fahrgebiet, Land und Leute – und das von Einheimischen aus erster Hand! Dazu erhält man meistens immer noch den ein oder anderen Tipp zum Anlegen, tollen Retsaurants oder Besichtigungen – eben die Tipps der echten Locals.

Den Ersten Abend verbringen wir ganz entspannt an Bord und lassen das unglaubliche Schottland auf uns wirken.
Diese Weite, die vielfältige Natur und der Duft von Holz, Frische und Freiheit verzaubern mich vom ersten Moment.
Die Berglandschaft, mit ihren unberührten Wäldern und saftigen Wiesen, scheint uns auf unserem Bott zu rufen und zu locken.

Am ersten Tag unserer Reise zieht es uns zu unserem ersten Zwischenstopp in Fort Augustus. Die Fahrt entlag des ruhigen, abgelgenen Kanals mit unserem Boot dorthin ist einzigartig und wir genießen die Stille. In Fort August angekommen, legen wir dann an dem Anleger in City-Nähe an. Wir freuen uns darauf, den kleinen Ort zu besichtigen. Den Namen hatder von der Festung Ford Augustus selbst bekommen. Diese wurde in den Jahren 1729 bis 1742 errichtet und nach William Augustus, Duke of Cumberland, dem Schlächter von Culloden benannt. 1876 wurde aus der Festung ein Benediktinerkloster. Die letzten Mönche verließen das Kloster schließlich im Dezember 1998. Nach der Besichtigung der Festung schauen wir uns noch das Clansman Center an. Dieseserzählt die Geschichte der Highlands und lässt sie für uns lebendig werden. Den frühen Abend verbringen wir auf dem Golfplatz von Fort Augustus. Auf der Strecke in Schottland liegen gleich 4 Golfplätze. Wir sind nicht die besten Spieler, aber wir finden viel Spaß daran und wollen deshalb in unserem Urlaub alle drei Golfplätze besuchen. Somit starten wir hier unsere schottischen Golferfahrungen!

Fort- Augustus

Auf der suche nach Nessie: Mit dem Boot auf Loch Ness

Zurück an Bord wollen wir unsere Reise in Richtung Norden fortsetzen, dafür müssen wir aber erst einmal die fünfstufige Schleuse von Fort Augustus passieren, die vom zulaufenden Kaledonischen Kanal in den Loch Ness führt. Der Sagen umwobene See wird unsere nächste Anlaufstelle sein. Von Fort Augustus bis zum See Loch Ness ist es nicht sehr weit. Seit 1822 ist Loch Ness mit dem Kaledonischen Kanal verbunden. Dieser wurde als Verbindungsweg zwischen der Atlantikküste und der Nordseeküste gebaut, um kürzere Transportzeiten für Industriegüter zu erreichen und die Unwetter auf der See im Norden von Schottland zu umgehen. Für den Bau des Kanals wurde der Wasserstand im See um ca. drei Meter künstlich angehoben, dadurch hat sich auch die Tiefe und Breite des Sees vergrößert. Außer einer kleinen Insel im Delta des Flusses Foyers existieren keine weiteren natürlichen Inseln im Loch Ness. Der See hat die typische Form, eines in der Eiszeit durch Gletscher entstandenen Sees. Er ist ca. 37 km lang, aber durchschnittlich nur 1,5 km breit. Vermutlich war vor 12.000 Jahren Loch Ness noch eine Meeresbucht, als sich dann das vom Gletscher befreite Land erhob, wurde der Zugang zum Meer abgeschnitten.
Unser Anlegeziel heute ist Drumnadrochit, das Zentrum des Nessie-Tourismus.

loch-ness
Seit Jahrhunderten wird immer wieder von Sichtungen eines Seeungeheuer im Loch Ness berichtet, das Nessie genannt wird. Aufgrund dieser Berichte ist Loch Ness ein beliebtes Ziel für Touristen und macht Loch Ness zum bekanntesten aller schottischen Seen. Wir besichtigen in Drumnadrochit, was im übrigen „Rücken der Brücke“ bedeutet, die Besucherzentren, die sich mit Loch Ness und der Suche des Ungeheuers beschäftigen. Danach besichtigen wir noch die Ruine von Urquhart Castle, die ein wenig außerhalb des Ortes liegt. Die Burg wurde um 1200 erbaut, heute steht noch ein Großteil der Ruine und kann besichtigt werden. Von genießen wir einen tollen Ausblick auf den Loch Ness!

Inverness, die Hauptstadt der Highlands

Weiter geht es in Richtung Norden, unser nächstes Ziel in Inverness, die Hauptstadt der Highlands. Inverness bedeutet die „Mündung des Ness“ und hat seit 2000 als einzige Stadt des Bezirks den Status einer „City“. Es ist im Übrigen die nördlichste „City“ im Vereinigten Königreich. Wir legen im östlichen Teil der Stadt an.

Der Ort und seine Umgebung sind sehr geschichtsträchtig. Auf der Burg von Inverness regierte im 11. Jahrhundert Macbeth, wenn auch bei weitem nicht so grausam wie von William Shakespeare geschildert. Anstelle der Burg steht seit dem 19. Jahrhundert ein repräsentatives Burgschloss. Nur wenige Kilometer östlich liegt das Schlachtfeld von Culloden. Dort tobte im Jahr 1746 war die letzte Schlacht der Jakobiter gegen die britischen Regierungstruppen die mit einem Blutbad das Ende des Jakobitenaufstands und die Anwartschaft „ihres“ Bonnie Prince Charlie auf den englischen Thron besiegelte.

In der Nähe liegen die Clava Cairn. Zwölf von diesen nur etwa fünfzig künstlich angelgten Rundhügeln liegen in der Grafschaft Invernessshire und lohnen allemal einen Rundgang durch die uralte Geschichte Schottlands. Am Abend betätigten wir uns wieder einmal sportlich und verbessern am Golfplatz Torvean in Inverness unser Handicap.

Nach dem Besuch von Inverness steuern wir mit unserem Boot noch entlang des Firth of Inverness und Beauly Firth bevor wir uns wieder in Richtung Süden wenden. Der Beauly Firth ist eine Bucht am Kopf des Meerarmes Moray Firth. An Ihrem Kopf liegt die Stadt Beauly. Dort mündet der gleichnamige Fluss Beauly von Westen kommend in den Beauly Firth. Einen weiteren Zulauf bilden der Ness und der Kaledonische Kanal.

Deutsche Ingenieure, schottische Brücken

dudelsackEinen Zwischenstopp legen wir noch ein. Und zwar in North Kessock. Kessock ist die einzige weitere bedeutende Ufersiedlung hier im Norden. Errichtet wurde die wichtigste Brücke am Ort, die Kessock Bridge, nämlich zwischen Kessock und Inverness zwischen 1976 und 1982. Bereits seit dem 15. Jahrhundert verkehrte an dieser Stelle eine Fähre über die Bucht und stellte die Verbindung zwischen Inverness im Süden und der Halbinsel Black Isle im Norden her. Mit dem Bau der Kessock Bridge begannt 1976 der deutsche Bauingenieur Hellmut Homberg. Und nicht von ungeföhr erinnert die Brücke an die Rheinbrücke Rees-Kalkar – schließlich diente sie ihm als Modell für sein mit einer Ausziechnung gewürdigtes Bauwerk. Bis heute steht die Brücke und hält den Anforderungen der Moderne stand: Heute verläuft auf der Kessock Bridge die A9, die bedeutendste Fernverkehrstrasse der Highlands.

Rock-Legenden und noch ein Monster

Nun geht es zurück in Richtung Süden, unser nächster Halt ist in Foyers, denn nordöstlich der Mündung des Foyers in Loch Ness liegt, oberhalb des Sees, das Anwesen Boleskine House. Das Gebäude wurde von 1899 bis 1913 vom Okkultisten Aleister Crowley bewohnt. Von Anfang der 1970er Jahre bis 1991 gehörte es dem Rockmusiker Jimmy Page von der Band Led Zeppelin und wurde auch für einige Szenen im Musikfilm „The Song Remains the Same“ verwendet.

Von Foyers aus genießen wir die Fahrt auf dem großzügigen Kanal in Richtung Süden. Auch nach einigen Tagen auf dem Kanal sind wir immer noch überwältigt von den Highlands die wir per Hausboot völlig mühelos durchqueren und so ganz entspannt die Schönheit der Natur genießen können. Unser nächster Stopp ist auf dem See Loch Lochy. Dort haben wir uns für ein tolles Abendteuer mit einem Guide verabredet. Wir werden auf diesem großen Süßwassersee Lachse angeln. Der Fluss Lochy fließt südwestlich aus dem über 16 Kilometer langen See heraus, während der Caledonian Canal den See mit Loch Oich im Nordosten des Sees verbindet. In diesem See soll der Legende nach auch ein Monster leben – Lizzie. Mit ihren gut zwölf Metern Länge ist sie ihrem Cousin in Loch Ness wohl zum Verwechseln ähnlich. Hoffentlich lässt Sie uns den ein oder anderen Lachs zum Angeln über!

Petri heil! WIr versuchen uns als Angler.

Ein ortskundiger Guide zum Lachsangeln ist auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man auch einen Fisch fangen möchte. In Schottland kann man nicht nur Lachse angeln, auch Seeforellen und Hechte können hier beißen. Wir treffen unsere Guide Jeff am Anleger, wo wir festgemacht haben. Er ist schon voller Vorfreude und steckt uns regelrecht an mit seiner Euphorie darüber, einen Fisch zu fangen. Er erklärt uns, dass wir viel Geduld und Ausdauer mitbringen müssen, wenn wir heute Abend einen Fisch grillen wollen. Ebenso das wir uns während des Angelns ruhig zu verhalten haben und nicht allzu laute Geräusche machen sollen. Somit lassen wir unseren Golden Retriever Minou schon mal an Bord. Minou ist nämlich eine richtige Wasserratte und würde nur im kühlen Nass umhertollen und uns jeden Fisch verscheuchen. Auf geht’s zu Jeffs Wagen, um die Angelausrüstung zu holen und dann ab in’s neue Abenteuer „Angeln“!

angeln
Nach dem die Angeln fachmännisch zusammengebaut sind geht es los. Nach ca. 20 min haben wir auch schon den ersten Biss! Ist das aufregend, wenn die Angeln auf einmal zum Zerreissen gespannt ist und ein Fisch daranzerrt. Jeff nimmt sich der Sache an und zeigt uns wie wir den Fisch von der Angeln auch zu uns bekommen. Unser erster Fisch, selbst geangelt in Schottland, was für ein Erlebnis!
Unsere Ausbeute am Ende des Angelausflugs ist gar nicht schlecht, 2 Lachse und eine Seeforelle. Das wird ein tolles Abendessen an Bord. Wir bereiten unsere Fische auf dem Grill genießen den frischen Fang im Sonnenuntergang bei einem Glas Weißwein auf dem Loch Lochy in vollen Zügen.

Fort- Augustus

Whisky und der Harry-Potter-Zug

Am nächsten morgen brechen wir auf in Richtung Fort William, unser letzer Stop bevor wir übermorgen zurück nach Laggan fahren um, unser Boot zurückzugeben. Die Fahrt von Loch Lochy bis nach Fort William dauert knappe zwei Stunden und ist schnell geschafft. Wir starten besonders früh, da es in Fort William viel zu entdecken gibt.

Als erstes steht die Besichtigung einer weltberühmten Whiskey-Brennerei auf unserem Programm.
Die Brennerei am Fuße des Ben Nevis, dessen Namen sie übernommen hat, wurde 1825 durch „Long“ John MacDonald gegründet und verfügt über ein Besucherzentrum und kann besichtig werden. Wir finden: Es lohnt sich auf jeden Fall sich die Kunst des Whiskey-Machens einmal aus der Nähe anzuschauen.

Nach unserer Besichtigung der Ben Nevis Brennerei wollen wir schließlich auch noch den Ben Nevis besteigen.
Der Wanderweg beginnt direkt am Glen-Nevis-Besucherzentrum und verlangt keine besonderen bergsteigerischen Fähigkeiten, allerdings eine gute Kondition, da man etwa auf Meeresniveau startet und auch wieder hinunter muss. Vielleicht empfiehlt sich die Bergtour also noch vor der Whiskey-Verkostung!

Der erste Teil der „Tourist Route“ ist relativ steil. Hat man die Hälfte des Berges geschafft, erreicht man den Loch Meall an t-Suidhe, ein kleiner malerischer Gebirgssee, der zum Rasten einlädt. Danach geht es wesentlich flacher weiter. Der Aufstieg lohnt sich nicht nur, weil man den Erfolg für sich verbuchen kann, den höchsten Berg Großbritanniens bezwungen zu haben, sondern mehr noch, weil der Ausblick auf schroffe Felswände, beeindruckend tiefe Schluchten und auf vorgelagerte Inseln und über die Fjorde dieses Küstenabschnittes atemberaubend ist. Auf dem Rückweg genießen wir nochmals den idyllischen Weg der zwischen den Grashängen hindurchführt.

Unten in Fort William wieder angekommen, sind wir doch ziemlich geschafft und wir spüren unsere Beine! Jetzt muss etwas weniger Sportliches her. So machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof und wollen mit der West Highland Railway fahren. Sie ist bekannt aus Harry Potter als Hogwards Express. Den Bahnsteig 9¾ gibt es zwar nich,t aber wir freuen uns mit der Bahn das Viaduct von Glenfinnan zu überqueren, die berühmte Brücke mit Ihren zahlreichen Bögen. Wir fahren in Fort William los, bis nach Glenfinnan sind es nur fünf Stationen und man überquert das Viaduct gleich zweimal, auf der Hin- und Rückfahrt. Die West Highland Line ist eine nicht elektrifizierte, durchgehend eingleisige, schottische Eisenbahnline, die von Glasgow nach Oban bzw. über Fort William nach Mallaig führt und die westliche Highlands Region erschließt. 2009 wurde sie von den Lesern des britischen Magazins Wanderlust nicht ohne Grund zur schönsten Bahnstrecke der Welt erkoren!


Im Vergleich zu unseren Bahnen in Deutschland, die doch eher spartanisch und zweckmäßig daher kommen, ist der Harry-Potter-Zug wundervoll romatisch, geradezu pompös ausgestattet. Alleine während der idyllischen Fahrt durch die Natur fühlen wir uns schon bald ganz Teil der Harry-Potter-Filme, ohne es wirklich zu merken.
Genau das richtige nach einem anstrengenden Wandertag!

Wieder in Fort William angekommen sind wir froh zurück an Bord zu sein und die Beine hochlegen zu können. Eigentlich wollten wir noch auf den bekannten Golf Platz von Fort William, aber nach unserer Wanderung ist uns nicht mehr nach körperlicher Betätigung. Stattdessen genießen wir den letzten Abend bei einem Glas Rotwein an Bord. Am nächsten Morgen geht es leider schon zurück zur Basis Laggan, wo wir unser Boot abgeben und die Heimreise antreten. Schottland war eine eindrucksvolle und geschichtsträchtige Reise, die wir so nie erwartet hätten! Das Land hat uns vollkommen positiv überrascht und mit seiner Natur und Gastfreundschaft unglaublich herzlich aufgenommen. Wir werden noch lange und sehr gerne an diese Reise zurückdenken!

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