Überallarbeiter ohne Smartphone …?

Letzte Woche saß ich mit den Überallarbeitern Ute und Christina beim Essen, als das Gespräch auf den Fall Sidd Bikkannavar zu sprechen kam. Zur Erinnerung: Sidd Bikkannavar ist ein US-Amerikaner und NASA-Mitarbeiter, der bei der Einreise in die USA sein Smartphone mitsamt dem Pin zum Entsperren rausgeben musste.

Naheliegend, dass wir uns Gedanken machten, wie wir in Zukunft bei einer Einreise in die USA verfahren würden.

Variante 1: Smartphone im Werkszustand mitnehmen

Die Idee hinter diesem Gedanken ist recht einfach. Bei der Einreise hast Du ein Smartphone im Werkszustand und im Hotel ziehst Du dir dann übers WLAN Dein Cloudback via iCloud oder Google. Es gibt bestimmt auch kein Gesetz, das es Dir verbietet, Dein Telefon in den Werkszustand versetzt mitzuführen. Allerdings stellt sich mir eine ganz andere Frage: Wenn die Zöllner sehen, dass es ein iPhone ist – was hindert sie daran, nach meiner Apple-ID zu fragen? Ich meine, die fragen ja auch nach den PINs von NASA-Mitarbeiterhandys.

Variante 2: Smartphone zu Hause lassen

Das klingt für mich schon vielversprechender. Du lässt Dein Telefon einfach zu Hause und kaufst Dir dann hinter der Grenze ein günstiges neues für die Zeit Deines Aufenthalts. Das kannst Du dir ja ebenfalls wieder aus der Cloud herstellen. Der Vorteil hier: Hast du erst gar kein Smartphone, kommt der Zöllner vielleicht gar nicht erst auf die Idee, ein Passwort abzufragen.

Das Pferd von der richtigen Seite aufzäumen

Beide Ideen sind für mich aber nicht so richtig weit gedacht. Egal ob Du Dein Smartphone in den Werkszustand zurückversetzt oder ob Du es ganz zu Hause lässt, beides scheint mir nur eine halbgare Reaktion auf gerade gehypte Missstände zu sein. Denn dass US-Zöllner das Smartphone mit PIN-Code haben wollten, gab es auch schon unter Obama.

Als Erstes sollte man sich die Frage stellen:

Was ist sowieso öffentlich verfügbar?

Ich denke, Du musst Dir keine Gedanken machen, wie Du irgendetwas schützen kannst, das eh in amerikanischen Clouds liegt. Damit meine ich Deine GMail-E-Mails, alle Kalender und Kontakte in der Google-Cloud, iCloud oder bei Office 365 und natürlich alle Deine Daten bei Dropbox, OneDrive, Google-Drive oder in der iCloud. Das Gleiche gilt für Deine Posts bei Twitter, Facebook und Co. Eventuell kannst Du Deine Messenger-Nachrichten schützen, wenn Du sie nicht auf dem Smartphone hast. Ich mag nicht beurteilen, wie gut die Verschlüsselung wirklich ist.

Was sollte ich schützen?

Hier eine Liste, was ich schützen würde:

  1. E-Mails,
  2. geschäftliche Dokumente,
  3. Adressbücher,
  4. Kontakte,
  5. Interne Firmenchats.

Leider werden die meisten von Euch merken, dass sie genau diese Daten in amerikanischen Clouds haben. Also gilt es, dafür sichere Alternativen zu finden.

Diese gibt es Gott sei Dank auch am Markt und sie sind genauso gut zu handhaben wie ihre amerikanischen Konkurrenten.

Mit Zimbra und Nextcloud zur sicheren Cloud und somit zum sicheren Smartphone

Als sichere Dateiablage empfehle ich Nextcloud. Nextcloud ist eine Open-Source-Alternative, die Du für Deine Firma selber hosten kannst oder für die Du als Einzelkämpfer gehostete Konten mieten kannst. Nextcloud bietet Dir eine Cloud-Dateiablage (auf Wunsch mit Verschlüsselung), Tools für die Desktop-Synchronisation und Apps für Dein Smartphone.

Für alles andere (E-Mail, Adressbücher, Kalender und Chat) empfehle ich Dir einen Zimbra-Server oder gehostete Zimbra-Postfächer. Zimbra ist ein E-Mailserver mit Groupwarefunktionen. Das Tolle an Zimbra ist, dass Du Deine Konten am PC im Webmailer oder mit allen üblichen Clients wie zum Beispiel mit Outlook nutzen kannst. Auf dem Smartphone musst Du auch nur ein Exchange-Konto einrichten und sofort kannst mit allen Standard-Apps auf die Daten auf Deinem Zimbra-Server zugreifen. On top bieten viele Anbieter zusammen mit Zimbra einen sicheren IM, Chat und Videochatservice an.

Das Überallarbeiter-Smartphone-Setup

Nutze ich diese Lösungen, sieht mein Überallarbeiter-Smartphone-Setup für den nächsten USA-Trip wie folgt aus. Ich lösche mein Zimbra-Exchange-Konto auf dem Telefon und die Nextcloud-App. Alles andere bleibt, wie es ist. In meinem GMail-Postfach ist eh nur SPAM und sonst speichere ich ja nichts in den öffentlichen Clouds. Mit so einem Setup kann ich ohne Probleme mein Smartphone abgeben. Bin ich dann im Land, kann ich für die Dauer entweder alles über die mobilen Webseiten erledigen oder schnell das Zimbra-Konto einrichten und die Nextcloud-App neu installieren.

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